Traditionen Re:Mixed

Schuhplattler Re:Mixed

Der Schuhplattler ist mehr als nur ein traditioneller Balztanz aus dem alpenländischen Raum. So soll er auch nicht mehr nur den Männern vorbehalten sein. Wie also kann man ihn verändern? Wir werden traditionelle Schuhplattler erlernen, neue erfinden und diese mit verwandten Formen wie Body Percussion, zeitgenössischem Tanz, improvisatorischen Elementen und rituellen Praktiken bereichern, ohne dabei den Spaß am Tanz und die Gruppendynamik von Volkstänzen zu verlieren. Es bleibt aber nicht nur beim Schuhplattler! Auch mit Jodeln, Juchatzen, traditionellen Klatschrhythmen (Paschen) und Peitschen wird experimentiert! Hier werden wir ebenfalls die traditionelle Form lernen und dann mit anderen Elementen verbinden. Im Workshop werden sowohl die technischen Aspekte erlernt als auch die spirituellen und rituellen, bis hin zu den heilsamen Ansätzen dieser Traditionen.

Homedance: Tradition Remixed & Dancing Protest

Dieser Workshop bietet einen vertieften Einblick in das Transformieren, Queeren und Wiederaneignen von Tradition. Der erste Teil des Workshops widmet sich choreografischen, performativen und dramaturgischen Werkzeugen und Strategien, um als zeitgenössische:r Künstler:in bewusst und spielerisch mit traditionellem Tanz, Ritualen und Musik zu arbeiten – auf der Bühne, im öffentlichen Raum, in performativen und partizipativen Formaten sowie in Community-Projekten. Auf diese Weise lädt der Workshop dazu ein, eine offene Perspektive auf Tradition zu erforschen, die von alten traditionellen Tänzen bis hin zu zeitgenössischen „(noch-nicht-)Traditionen“, Bewegungen, Stilen und Formen von Contemporary Dance, Ballroom oder House reicht.

Was ist Tradition? Wie kann man mit traditionellem Tanz- und Musikmaterial im Kontext des zeitgenössischen Tanzes und mit unseren heutigen Werten (Diversität, Inklusion, Gleichberechtigung der Geschlechter, Queerness, etc.) arbeiten? Wie gehen wir mit den Herausforderungen um, die bei der Recherche zu traditionellem Material entstehen (konservative und ausschließende Strukturen, Widerstand gegen Veränderung)? Wie können wir Brücken bauen und in partizipativen und Community Projekten im Umgang mit Tradition gesund bleiben (Rolle als Performer:in / Fazilitator:in)? Die Teilnehmer:innen werden die Beziehung zwischen Tradition und Heimat bzw. dem Gefühl von Heimat körperlich erforschen, mit bestehenden Tänzen experimentieren und sich spielerisch ihrem persönlichen traditionellen Tanz bzw. „Homedance“ annähern – mit anderen Worten: der Verkörperung und dem ganzkörperlichen Ausdruck ihres Heimatgefühls.

Der zweite Teil des Workshops widmet sich dem Thema tanzender Protest, inspiriert von Massentanztraditionen, Tanzwut und den kollektiven Aspekten von Volkstanz. Nachdem die Teilnehmer:innen im ersten Teil ihre individuelle Beziehung zu Tradition und Heimat erforscht haben, tauchen sie nun in die Erzählung des Kollektiven ein, indem sie die Bedeutung und Ressource von Gemeinschaft im Kontext von Protest erfahren – wie sie in traditionellem Tanz und Musik angelegt ist und welche Herausforderungen damit verbunden sind. Ein besonderer Fokus liegt auf „Traditionen kollektiver Freude“ als Form tanzenden Protests in Zeiten von Krieg und Krisen.

Was ist eine gesunde Massenbewegung? Wie können wir Tradition auf zeitgenössische Weise wiederaneignen und ihre innere Ressource kultivieren? Wie können Traditionen kollektiver Freude Teil unseres Protests werden?

Simon Mayer und Gastdozentin Hannah Shakti Bühler beschäftigen sich seit vielen Jahren mit den Themen Tradition, immaterielles Kulturerbe, Queering und Heimat(-gefühle) im Kontext von zeitgenössischem Tanz, Performance und Musik. Beide sind im traditionellen, konservativen Kontext (Österreich und Italien) aufgewachsen und tauchten gleichzeitig in den urbanen künstlerischen Kontext ein. Aus diesem Spagat zwischen mehreren Welten, entwickelte sich ihre Expertise als Brückenbauer:innen und Übersetzer:innen zwischen unterschiedlichsten Perspektiven, Kulturen, Backgrounds und politischen Positionen.

Es entstanden Bühnenstücke (Sons of Sissy, Sunbengsitting, Somatic Tratata), partizipative Arbeiten und Community Projekte (Volxfest, Village Party, Folkdanceparty), die weltweit präsentiert werden. Weiters entwickeln die beiden Workshop-Formate, um ihre Erfahrung mit Tradition, Queering und Heimat und die vielen Learnings aus der Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Communities im ländlichen und urbanen Raum mit den Teilnehmer:innen zu teilen.

Praktiken des bewussten aufeinander Zugehens und des Miteinanders sind hierbei zentral: z. B. „Stepping out of your Bubble“, kontextbewusstes Kunstschaffen und Kunst am Marktplatz. Aus dieser Praxis heraus entstand auch ihre Langzeit-Recherche zu Tanzprotest, Tanzwut und Massentänzen und die Übersetzung in den gegenwärtigen Kontext und seine Bedürfnisse (Krieg, Krise, Massenbewegung, friedlicher Protest).